Wir Grüne stehen für zeitgemäße Mobilität in Bad Soden. Wir möchten die Fortbewegung in unserer Stadt für alle qualitativ erhöhen. Das Konzept einer auf den Autoverkehr ausgerichteten Stadt gehört der Vergangenheit an und muss reformiert werden. Drei Problemfelder haben wir identifiziert, die wir mit innovativen und nachhaltigen Ideen angehen, damit eine Mobilitätswende gelingen kann.
Fuß- und Radverkehr
Besonders großen Nachholbedarf hat Bad Soden beim Radverkehr. Aktuell ist die Fortbewegung mit dem Fahrrad mit einem hohen Risiko behaftet, da sich Fahrradfahrende fast überall nur direkt auf den Straßen bewegen können. Besonders die Königsteiner Straße sticht mit ihrem hohen Autoverkehr (negativ) heraus: Bei der aktuellen Verkehrssituation sicher mit dem Fahrrad über die Königsteiner Straße nach Neuenhain oder zurück – unvorstellbar. Sowohl in der Kernstadt als auch in Altenhain und Neuenhain braucht es eine deutlich bessere Fahrradinfrastruktur.
Argumentativ heißt es von anderen Parteien häufig, Bad Soden sei durch die hügelige Vordertaunuslandschaft einfach kein geeignetes Terrain für das Fahrrad. Angesichts des Booms elektrisch unterstützter Antriebsoptionen ist diese Ansicht von gestern, aber natürlich bedarf es insbesondere im Bereich von größeren Steigungen Maßnahmen für eine fahrradfreundlichere Infrastruktur. Eine Verbesserung für die Fahrradfahrenden ist durch die Gremien der Stadt immerhin bereits entschieden. Das Mobilitätskonzept der Stadt, welches bereits seit 2021 ausgearbeitet ist, macht hier viele gute Vorschläge. Es hapert jedoch bei der Umsetzung, denn zusätzliche Fahrradwege beanspruchen Raum, und der Konflikt darum wird von der politischen Mehrheit gescheut. Dabei reichen oft bereits „kleinere“ Maßnahmen aus, um die Sicherheit aller Fahrradfahrenden merkbar zu erhöhen. Dazu zählen beispielsweise deutlich markierte Fahrradschutzstreifen auf wichtigen Verkehrsachsen. Hierbei handelt es sich aber lediglich um eine mittelfristige Maßnahme, denn Konflikte zwischen Fahrradfahrenden und
Autofahrenden lassen sich damit nur geringfügig vermeiden und der Sicherheitsaspekt ist damit auch noch nicht vom Tisch. Die Fortbewegung mit dem Fahrrad muss eine echte Alternative zum motorisierten Individualverkehr werden!
Perspektivisch setzen wir Grüne uns daher mit aller Kraft für zukunftsfähige Fahrradinfrastruktur ein. Dazu gehören beispielweise mehr Fahrradstraßen sowie die Einrichtung von Einbahnstraßen und verkehrsberuhigten Bereichen. Letztere sind konkrete Möglichkeiten, um Platz für Fahrradwege zu schaffen, ohne eine signifikante Anzahl an Anwohner:innen-Parkplätzen einzubüßen. Wir sind der festen Überzeugung, dass sichere und durchdachte Fahrradinfrastruktur in Bad Soden möglich ist. Auch auf der Königsteiner Straße, stellvertretend für andere stark befahrene Hauptverkehrsachsen, ist zumindest ein Schutzstreifen und/oder Piktogramme realisierbar.
Immer mehr Fahrradfahrende bewegen sich teil-elektrisch. Mit dem Blick in eine Zukunft, in der Bad Soden Teil eines regionalen Fahrradkonzepts ist, profitiert der Handel von potenziellen Kundinnen und Kunden, die sich mit dem Fahrrad aufmachen in unsere Kurstadt. In anderen Städten gibt es sie bereits, wir fordern sie auch für unsere Stadt: Ladestationen für E-Bikes und Pedelecs. Wir sehen ein großes Potenzial für Auflademöglichkeiten an Orten, die zum Verweilen einladen, beispielsweise im Alten Kurpark oder in der Altstadt in Kombination mit Fahrradständern.
Von unseren Zielen für ein sicheres, durchdachtes Fahrradkonzept in Bad Soden profitieren gleichzeitig alle Fußgänger:innen, denn auch sie werden nicht länger ihre Wege mit Fahrradfahrenden teilen müssen. Zudem erhöht sich ihre Aufenthaltsqualität durch verkehrsberuhigte Bereiche und Fahrradstraßen. Eine entspannte Fortbewegung zu Fuß setzt aber auch sicher gestaltete Fußgängerüberwege durch Markierungen voraus, von denen es insbesondere an der Königsteiner Straße viel zu wenige gibt.
Sie können sich sicher sein, dass wir unsere Ideen für die Fortbewegung mit dem Fahrrad und zu Fuß in das angelaufene Projekt RuF! (Rad- und Fußkonzept) der Stadt Bad Soden einbringen werden, welches das Mobilitätskonzept weiter konkretisieren soll.
ÖPNV
Der ÖPNV ist der zweite wichtige Baustein hin zu einer Verkehrswende. Doch besonders nach der aufwändigen Neugestaltung des Busbahnhofs fällt der katastrophale Zustand des S-Bahnhofs umso mehr ins Auge. Wir appellieren an die Stadtverwaltung, mit dieser Forderung bei der Deutschen Bahn nicht locker zu lassen, Geld für eine dringend benötigte Modernisierung des Bahnhofs in die Hand zu nehmen. Dies ließe sich gut mit der Aufwertung durch den Bau der Regionaltangente West kombinieren, um Kosten und vor allem Unannehmlichkeiten für Bürger:innen durch eine vornherein gemeinsam gedachte Projektplanung und -abwicklung geringer zu halten.
Die Bahn ist bereits elektrisch unterwegs, nun müssen die Busse zügig elektrifiziert werden. Wir fordern die Main-Taunus-Verkehrsgesellschaft auf, die eigene Busflotte auf batterieelektrische Busse umzustellen. Das sorgt für eine deutlich geringere Umwelt- und Lärmbelastung, und schont zugleich dank hoher Effizienz langfristig den Geldbeutel.
Sind Sie schon einmal mit dem Stadtbus gefahren? Wahrscheinlich nicht, denn die Frequenz und Abdeckung lässt zu wünschen übrig. Die konsequente Folgerung ist eine Reform des Stadtbus-Konzepts, denn in seiner jetzigen Form ist er wenig hilfreich und bringt den Bürger:innen keinen Mehrwert! Im Gegenteil, das Geld könnte deutlich sinnvoller in andere Mobilitätsprojekte investiert werden. Bei einer
Reform des Stadtbusses sollen alle Sodener:innen einen guten Anschluss an die S-Bahn und Kinder/Jugendliche zu Sportangeboten bekommen. Größere Parkplätze müssten ebenfalls Teil der Route sein (H+, Bahnhof, Hasselgrundhalle, Kurpark…), um Park & Ride zu ermöglichen. Es wäre schade, wenn eine grundsätzlich gute Idee weiterhin nur so halbherzig umgesetzt bliebe.
Motorisierter Individualverkehr
Hohe Feinstaubbelastungen und CO2-Emissionen verschlechtern die Luftqualität und stellen nicht nur für vorerkrankte Menschen eine Gefahr dar. Die Lärmbelastung macht den Shopping-Ausflug in die Altstadt und den Alltag zu einer stressigen Erfahrung. Der Autoverkehr muss reduziert werden, denn diese und weitere negative Folgen erlebt man tagtäglich. Es bedarf an zuverlässigen, hochfrequentierten ÖPNV-Alternativen und einer sicheren, durchgängigen Fahrradinfrastruktur.
Der Umstieg auf den öffentlichen Personennahverkehr und Fahrräder wird jedoch einige Jahre brauchen. Daher unterstützen wir Grüne die Elektrifizierung des motorisierten Individualverkehrs auf kommunaler Ebene mit nachhaltigen Vorhaben. Wir fordern mehr (Schnell-)Ladestationen in Bad Soden, damit aktuelle sowie zukünftige Anforderungen gedeckt sind. Zusätzlich wollen wir mit den Supermarkt-Filialen darüber sprechen, Ladepunkte überhaupt zu installieren bzw. zu erweitern. Auch eine feste Quote für Ladesäulen auf städtischen Parkplätzen halten wir für sinnvoll, welche außerhalb der Arbeitszeiten zu attraktiven (Ad-Hoc-)Preisen genutzt werden können.
Wir möchten die Königsteiner Straße sowie die Schwalbacher Straße durch Tempo 30 entschleunigen, um die Lebensqualität der Anwohnenden zu erhöhen. Auch das Parkkonzept muss angepasst werden. Die Parkplätze längs entlang der Königsteiner Straße sind gefährlich für Fußgänger:innen und alle anderen
Verkehrsteilnehmenden. Autos fahren Schlangenlinien, immer wieder werden Türen rücksichtslos aufgerissen und Personen zwischen den parkenden Autos sind nahezu unsichtbar. Eine Neuregelung würde zusätzlich Platz für einen Schutzstreifen schaffen.
Außerdem muss das Parksystem in Bad Soden umgedacht werden: Stellplätze an den Straßen der Innenstadt sollten ausschließlich den Anwohner:innen zustehen. Parkflächen und Parkhäuser könnten für Tourist:innen und Park & Ride genutzt werden. Auch CarSharing-Angebote könnten hier Einzug erhalten.
Bad Sodens Zukunft
Lange genug hat sich in unserer Stadt zu wenig getan. Mit unseren Forderungen für zeitgemäße Mobilität berufen wir uns auf das 2021 mit den Bürger:innen erarbeitete Mobilitätskonzept. Auch die Bürgerbefragung zum Rad- und Fußkonzept (RuF!) vom Herbst 2025 werden wir entschieden mit begleiten und uns für die Umsetzung der Ergebnisse einsetzen.
Wir Grüne gestalten die Zukunft Bad Sodens nachhaltig, inklusiv und durchdacht – das ist unser verpflichtender Beitrag zur Mobilitätswende!




Verwandte Artikel
Für sichere, schattige Fahrradstellplätze in Bad Soden
Der Sommer hat begonnen – und bereits jetzt zeigt sich: Bad Soden muss sich auf immer mehr Hitzetage vorbereiten. Ein besonders drängendes Problem betrifft Nutzer:innen von eBikes und eScootern: Bei…
Weiterlesen »
Rad- und Fußverkehrskonzept (RuF!): Mehr Mut für echte Verbesserungen!
Über Jahrzehnte hinweg wurde in der Stadtplanung insbesondere die Radinfrastruktur vernachlässigt; aber auch im Fußverkehr gibt es deutlichen Nachholbedarf. Bis heute fehlen vielfach sichere und durchgängige Verbindungen für Zweiradfahrer, für…
Weiterlesen »
Breite Schneisen im Eichwald
Seit einigen Wochen beschweren sich Bad Sodener Bürger:innen über die umfangreichen Baumfäll-Maßnahmen im Eichwald entlang der Bad Sodener Straße ‚Am Eichwald‘. Breite Schneisen sind bis weit in den Wald hinein geschlagen und das verwertbare Holz an den Wegen aufgestapelt, wie beigefügte Fotos zeigen. Dabei wurden auch viele alte, gesunde Bäume gefällt, um die Hundert Jahre alte Eichen, wie man anhand der Jahresringe nachzählen kann, daneben Buchen, Eschen, Birken und Nadelbäume, auch in dem ausgewiesenen Begründungsgebiet, das nach dem Sturm Wibke zu Beginn der 90er Jahre natürlich nachwachsen sollte und nur bei Bedarf Bäume nachgepflanzt werden sollten (siehe dort aufgestellte Tafel). Teils in großen Stapeln, teils aber auch vereinzelt liegen diese Bäume neben den Waldwegen und in den Schneisen. Der Wert des Holzes dürfte im sechsstelligen Euro-Bereich liegen.
Weiterlesen »